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Großversuch: Sichere Treppenräume in Wohngebäuden - Verzicht auf einen zweiten Rettungsweg?

In normalen Wohngebäuden, also keine Hochhäuser, kann der Bewohner über den Treppenraum flüchten. Ist ihm dieser Weg versperrt muss derzeit die Möglichkeit bestehen, dass die Feuerwehr ihn mit ihren Leitern über den sogenannten zweiten Rettungsweg retten kann. Diese zweite Option ist zunehmend ein Problem. Die Straßenräume werden durch den ruhenden Verkehr zunehmend eingeengt. Die Feuerwehr kommt mit ihren Drehleiterfahrzeugen nicht in diese Straßen, kann die Abstützungen nicht ausfahren oder Bäume und Straßenlaternen behindern den Leiterpark. Der Einsatz tragbarer Leitern erfordert viel Personal. Ausreichend Platz und sind bauordnungsrechtlich nur bis zu einer Höhe von 8 m zulässig.

Berliner vs. Hamburger Modell 

Aus Hamburg und Berlin gibt es Vorschläge, den ersten baulichen Rettungsweg durch das Treppenhaus sicherer zu machen, so dass der optionale Rettungsweg über die Leitern der Feuerwehr per Definition nicht mehr erforderlich ist.

  • Der Berliner Vorschlag, speziell für Neubauten konzipiert, wurde in Berlin bereits in geltendes Recht umgesetzt. Er stellt u.a. an die Wohnungseingangstüren, den Flur und den Weg in den Treppenraum, sowie an die Fassade spezielle Brandschutzanforderungen. Diese sind geringer als für ein Hochhaus, dennoch muss dann der zweite Rettungsweg über Leitern der Feuerwehr nicht mehr gewährleistet werden.
  • In Hamburg ist ein Pilotprojekt in Vorbereitung, bei dem ein bestehendes Wohnhaus mit zusätzlicher Brandschutztechnik ausgestattet wird. Hierzu gehören z.B. Rauchmelder und Nebelwasserdüsen in den Wohnungen, die die Wohnungstür vor dem Durchbrennen schützen bzw. eine Brandausbreitung in den Flur unterbinden sollen. Er ist bisher nur eine Idee und nicht ausreichend technisch spezifiziert

Versuchsaufbau

Zu beiden Vorschlägen gibt es je einen Versuch, mit dem Ziel Erfahrungswerte zum Sicherheitsniveau dieser Vorschläge zu gewinnen. In den Versuchen wird die Situation eines Wohnungsbrandes nachgestellt, mit Mess- und Videotechnik dokumentiert. Zusätzlich werden anhand von Dioramen die Versuchsaufbauten veranschaulicht und die Teilnehmer erhalten die Möglichkeit über die Vor- und Nachteile der einzelnen Versuchsaufbauten zu diskutieren. 

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